Toxikologie

©Dr.Leman, GBU Hirschberg 2002


Quecksilber und Quecksilberverbindungen


Anorganische Quecksilber-Verbindungen (z.B. HgCl2) sind kaum flüchtig und daher nur oral eingenommen gefährlich. Diese Hg-Salze wirken ätzend auf Haut und Schleimhaut. 
Organische Hg-Verbindungen (meist Phenylquecksilberoleat) sind besonders giftig und heimtückisch, da sich die Giftigkeit erst nach Wochen bemerkbar macht. Zu Vergiftungskatastrophen mit organischen Hg-Verbindungen kam es u.a. 1971/72 im Irak durch den Verzehr von mit Hg-Fungiziden behandeltem Saatgetreide (ca. 6530 Erkrankte und 259 Tote) und 1953-1969 in der Minamata- Bucht in Japan, wobei Hunderte von Menschen vergiftet wurden. Die Ursache für diese Massenvergiftung lag im Verzehr von Fischen, die mit Methylquecksilber vergiftet waren und jahrelang durch Abwässer einer Kunststofffabrik kontaminiert worden waren. 121 Personen starben, darunter 12 Kinder und 2 Neugeborene (Minamatakrankheit). 
Die Erythrozyten können Quecksilber binden und zu seiner zweiwertigen Form oxidieren. Dieser Vorgang ist durch z.B. Alkohol und Aminotriazol hemmbar. Hg wird im Gastrointestinaltrakt zu ca.10% gebunden. Im Blut erscheint es zu etwa gleichen Teilen im Plasma und in den Erythrozyten, wobei es sich an Sulfhydryl-(SH-) gruppen des Hämoglobins bzw. an Plasmaproteine bindet. Eine Aufnahme toxisch wirksamer Mengen ist aber auch durch Penetration (Eindringung) in die Haut möglich. Der Aufnahmemechanismus ist noch unbekannt. Im Gegensatz zu metallischem Quecksilber kann zweiwertiges Hg die Blut-Hirn-Schranke bzw. die Plazentaschranke nicht leicht überwinden. Die höchsten Konzentrationen findet man in der Niere. 

Ausscheidungsprozesse im menschlichen Körper:


Die Elimination von Hg und seinen Verbindungen kann am besten durch eine multiphasische Exponentialkurve beschrieben werden:
Auf eine schnelle Ausscheidungsphase mit einer Halbwertszeit von fünf Tagen folgt eine weitere mit einer Halbwertszeit von einem Monat und dann eine Phase mit einer Halbwertszeit von drei Monaten. Die Verweilzeit in den einzelnen Organen ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von wenigen Tagen bis zu einigen Jahren (Gehirn:18 Jahre). Die normale Eliminationszeit im Urin beträgt 5-10 mcg/24h.

Bei Werten > 50 mcg/24h muss an eine Intoxikation gedacht werden. 

Die Biologische Halbwertszeit beträgt im "normalen" Gewebe 70 Tage und im Gehirn wegen der Blut-Hirn-Schranke 13-28 Jahre. Nur ein geringer Teil des resorbierten Hg wird über die Nieren und den Darm ausgeschieden, der größte Teil wird in den Depots der Zellen gespeichert, besonders im ZNS (Zentrales Nervensystem) oder im RES (retikuloendotheliales System = Fress- und Speicherzellen des Stoffwechsel- und Immunsystems). Aerobe und anaerobe Mundbakterien und die menschliche Darmflora verwandeln die relativ ungefährlichen anorganischen Hg-Verbindungen in hochgiftige organische Verbindungen (vor allem Methyl-Hg). 

Toxikologie:

Zweiwertige Salze sind im allgemeinen giftiger als einwertige. Die Toxizität anorganischer Hg-Verbindungen steigt mit zunehmender Löslichkeit, dennoch sind sie weniger giftig als org. Hg-Verbindungen.

 

Akute Vergiftungen treten ab 0,2 mg Hg /100 ml Blut auf. Hg-Dämpfe ab 0,1 mg/cbm Luft während 5 h Aufenthalt rufen chronische Vergiftung hervor. Die Letaldosis beträgt 0,2 -1,0 g anorg. Salze bei einmaliger Gabe.

Die toxische Wirkung von Hg beruht auf seiner Wirkung als Zell- und Protoplasmagift :

Bindung des Hg an die Sulfhydryl-(SH)-grupppen von Proteinen
 

Eiweißfällende Wirkung
Membranschädigung
Reduktion des RNA-Gehaltes
Blockade vieler Enzymsysteme
Nieren und Nervensystem sind besonders gefährdet.

 

 

Wie beim Blei beruht die gravierendste Wirkung des Schwermetalls Hg auf einer Hemmung der Na(+)-K(+)-ATPase. Dieses Enzym regelt den osmotischen Druckausgleich in der Zelle durch aktiven Transport von Kalium- und Natriumionen, wobei es große Mengen an ATP verbraucht. Es ist verantwortlich für den hohen Kaliumgehalt von etwa 140-150 mM innerhalb der meisten Zellen gegenüber nur 4-5 mM in der Außenlösung, bzw. der geringen Natriumkonzentration von 10-15 mM innerhalb der Zellen gegenüber ca. 150 mM in der Außenlösung.
 

Folgende Gesamtstöchiometrie der Na(+)-K(+)-ATPase- Reaktion wurde an Erythrozyten bestimmt : 

3 Na(+) (Zellinneres) + 2 K(+) (Aussen) + ATP <---[Na(+)-K(+)-ATPase]---> 3 Na(+) (Aussen) + 2 K(+) (Zellinneres) + ADP + P 

(P = Phosphat)

 

Es werden also 3 Natrium-Ionen vom Zellinneren nach außen transportiert, dagegen nur 2 Kalium-Ionen vom Außenmedium in das Zellinnere überführt. Dabei wird ein ATP-Molekül verbraucht. 
 

Es handelt sich bei dieser Membranpumpe also um einen elektrogenen Transport, bei dem neben dem elektrochemischen Potentialgradienten ein osmotisch wirksamer Konzentrationsunterschied an Kationen sich ausbildet . Der asymmetrische Transport des Enzyms kompensiert den durch das kolloidal gelöste Hämoglobin bedingten Wassereinstrom und erlaubt damit die osmotische Regelung des Wassergehaltes in der Zelle. Dieser elektrochemische Potentialgradient ist für die elektrische Erregung der Nervenzellen verantwortlich und dient gleichzeitig als Triebkraft für sekundäre Transportprozesse, die an einen Na(+)-Gradienten gekoppelt sind, wie z.B. der Aminosäuretransport und der Glukosetransport im Darm. Die Zellen brauchen zur Aufrechterhaltung des Kalium-Natrium-Gradienten große Mengen an ATP. Aus der großen funktionellen Bedeutung der Na(+)-K(+)-ATPase wird deutlich, dass eine toxische Schädigung zu weitreichenden Folgen führen muss.


Speicherung: 

 

Hg hat eine Affinität zu bestimmten Organen. Es reichert sich sich besonders an

im Epithel des Gastrointestinaltraktes
im Plattenepithel der Haut
in den Haaren
in Speichel und Schweißdrüsen
in der Schilddrüse
in Leber, Pankreas und Nieren
im Hoden und in der Prostata
im Gehirn (vor allem in der grauen Substanz, im Kerngebiet des Hirnstammes und in Teilen des Kleinhirns
im Großhirn insbesondere im Bereich des Lobus parietalis und im Lobus occipitalis).

Im Großhirn beträgt die biologische Halbwertszeit 13 - 28 Jahre. Die Verweilzeit in den einzelnen Organen ist sehr unterschiedlich. Die Biologische Halbwertszeit reicht von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Die bei weitem längste Biologische Halbwertszeit haben Schwermetalle wie Hg im Gehirn mit 13 - 28 Jahren. Der Grund für die lange Verweilzeit ist hier die sog. "Blut-Hirn-Schranke", der spezielle Zelltypus des Gehirns, der fast vollständig undurchlässig für hydrophile Fremdstoff-Moleküle ist. Die Hg-Kationen gelangen zwar in das Gehirn, werden dort aber an Eiweiß gebunden und können nicht mehr hinaus gelangen. 

Einmal in das reine Nervenzellmedium des Gehirns gelangt, kann das Hg wie oben beschrieben die elektrische Erregung der Nervenzellen durch Hemmung der Na(+)K(+)-ATPase stark irritieren. 

Eine Herausleitung der Schwermetalle aus dem Gehirn durch eine entsprechende Entgiftungs-Therapie ist außerordentlich schwierig und bildet das eigentliche Problem der Amalgamvergiftung.

Eine gute Möglichkeit zur Entgiftung gewährleistet hier eine Therapie mit sog. Antioxidantien. Diese gelangen aber nicht in das Gehirn, sondern durch den Entgiftungsprozess in den antidot-zugänglichen Körperzellen entsteht ein so starker Konzentrationsgradient zwischen den vergifteten Gehirn-Zellen und den durch die Antioxidantien entgifteten übrigen Zellen des Körpers, dass die Blut-Hirn-Schranke überwunden werden kann und Hg-Ionen aus dem Gehirn heraus diffundieren können.

Als weitere stark schädigungsfähige Organe folgen Nieren und Hoden sowie das RES.

Die mögliche natürliche Ausscheidung von Schwermetallen und insbesondere Hg erfolgt bei Organen und den übrigen Körperzellen -außer den Gehirnzellen- über Stuhl, Speichel, Urin, Tränen und Schweiß.

Die normale Ausscheidungsrate von Hg über den Urin beträgt 5-10 mcg/24h. Bei >50 mcg/24h muss an eine Intoxikation gedacht werden.

Biologische Halbwertszeit (ohne Antidotbehandlung): 

 

Gehirn 13 - 28 Jahre (mit Antidotbehandlung 6 Monate)
Übriges Gewebe bis 70 Tage
Blut ca. 90 Tage


Nur ein Teil des resorbierten Quecksilbers wird über Harn und Nieren ausgeschieden, der Rest geht in Depots, von denen das ZNS und das RES klinisch besonders relevant sind. Für die Hg-Depotbildungen an Zahnwurzeln und Kieferknochen sind nach Teherani und Till [30] die Liegedauer und Gewohnheiten des Patienten verantwortlich. 

Depotbildungen:


Hg löst sich ständig in kleinsten Mengen durch Amalgamflickarbeiten und Kaubewegungen heraus. Diese Hg wird durch die Zahneigenbewegung in der Alveole des Zahnes bis an die Zahnwurzel und auch in das umgebende Knochengewebe hinaufgeschüttelt und reichert sich vorerst dort an. Das Hg ist in diesem Stadium der Depotbildung an Zahnwurzeln und Kieferknochen durch Blut- oder Harntests nicht nachweisbar - oder nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen.

Depotbildungen werden erhöht bei:

 

starkem Kauen
Parafunktion
heißen und sauren Speisen
Vergrößerung der Amalgamfüllungen


Weiterhin gelangt das Hg dann aus diesen Depots entlang von Nervenbahnen in das Gehirn und reichert sich dort an. Hieraus wird auch das ZNS in Mitleidenschaft gezogen. Schließlich gelangt das Hg über den Hirnstamm in das Rückenmark und dann in das periphere Nervensystem, was evt. Schädigungen an Gelenken, Gefäß-Systemen und Entgiftungsorganen bewirken kann. In diesem letzten Stadium ähnelt das Krankheitsbild einer chronischen Hg-Vergiftung. 

Das Bild der chronischen Quecksilbervergiftung tritt erst nach einem sehr langen Zeitraum auf und ist schwer erkennbar, da die Erkrankung nur allmählich oder oft unbemerkt schleichend auftritt und nur im frühen Stadium zeitweise schmerzerzeugend ist. 

Ein möglicherweise unternommener Blut- oder Harntest mit niedrigen Werten an Hg oder anderen Schwermetallen ist kein Beweis für eine nicht vorhandene Belastung ! Er beweist lediglich, dass chronisch aufgenommene Schwermetalle nicht frei im Köper zirkulieren, sondern in zellulären Strukturen gebunden vorliegen. Erst durch starke metabolische Belastung (Sport, schwere Arbeit, Hungern/Fasten) oder einen sog. Mobilisationstest mit z.B. DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) werden Schwermetalle in größeren Mengen aus den Depots freigesetzt und einer nun vorgenommenen Messung in Harn oder Blut zugänglich, die eher einen Hinweis auf eine Vergiftung liefert.

Die Depotbildung lässt sich nach unserer Erfahrung nicht zuverlässig über Elektroakupunktur-Störfelddiagnostik, Terminalpunktdiagnostik oder andere alternative Verfahren nachweisen. Hg-Depots sind auch röntgenologisch unsichtbar.

Weitere Wirkungen des Quecksilbers:


 

Absenkung der T-Lymphozyten

Hemmung der DNA-Synthese bei geringsten Mengen (10 h(-5) - 10 h(-6) g/kg KG)

Wirkung organischer Hg-Verbindungen auf das Nervensystem durch sog. "Neuritentransport" (Hansen 1982) [31] zum ZNS, der mittlerweile auch für Blei, Thallium und einige Viren nachgewiesen wurde. Toxizität: abhängig vom Aggregatzustand und und Verteilungsgrad des Hg 

zweiwertiges Hg ist toxischer als einwertiges 

Toxizität steigt mit zunehmender Löslichkeit der Hg-Verbindungen 

organische Hg-Verbindungen sind wesentlich toxischer als anorganische 

selbst nach Entfernung der Amalgamfüllungen können die Vergiftungssymptome außerordentlich lange persistieren. Eine Mobilisation durch Antidottherapie ist dringend erforderlich 

sog. Okklusalfüllungen (großflächige Füllungen) sind gefährlicher als tiefe enge Füllungen 

eine große Amalgamfüllung führt zu Urinwerten mit ca. 40 mcg Hg/L im Urin

Urinwerte: 
1 Amalgamfüllung (ohne Mobilisation) 40 mcg Hg/L
10 Amalgamfüllungen 400
nach Mobilisation durch DMPS bis zu 42000

 

Teratogenität:
 

Die häufigsten Missbildungen durch Quecksilber beim Menschen sind Enzephalozele bzw. Hydrozephalus. Für das gestillte Kind stellt die Muttermilch der belasteten Mutter auch eine Gefahr dar. Dabei stützen sich die meisten Beobachtungen über die Hg-Toxizität an menschlichen Feten auf Vergiftungsfälle in der Minamata-Bucht oder im Irak. 
"Bei den Nachkommen der Überlebenden von Minamata fand sich fast durchweg eine verminderte Auffassungsgabe, Veränderungen im emotionalen Verhalten, erniedrigter IQ. Es wurde über 8 Fälle von Idiotie berichtet. Die Patienten wiesen kleine, symmetrisch atrophische Gehirne mit 2/3 reduziertem Gewicht, ausgedehnte Schäden an Neuronenzellen im Cerebrum, Cerebellum und Brüche in der normalen Zellarchitektur auf.

Die Neugeborenen zeigten nach normaler Geburt Lethargie, verspätete Bewegungen, Reizschwellenerhöhung und unkoordiniertes Saugen und Schlucken, z.T. Krämpfe. Viele Kinder blieben im Wachstum zurück. Bei allen waren neurologische Störungen nachweisbar." [9, III-3, S. 9] 

Anmerkungen und Erfahrungen: Gamma-2-freie Amalgame führen ebenso zu Vergiftungen. Ein Unterschied in der Toxizität konnte nicht festgestellt werden. 

neurologische Störungen treten erfahrungsgemäß ab 50 mcg/L Hg im Urin auf 

ab 10 Füllungen treten in der Regel quälende Beschwerden auf 

organische Hg-Verbindungen haben die Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und auf das ZNS einzuwirken 

Die Hg-Konzentration in den Haaren gibt keine Auskunft über das Maß der chronischen Vergiftung des ZNS. Haaranalysen geben Auskunft über andere, lange zurückliegende größere Schwermetallaufnahmen. 

Hg wirkt teratogen, mutagen und embryotoxisch 

Selen wirkt antagonistisch gegenüber Hg und verzögert das Auftreten von Hg-Vergiftungssymptomen. Dennoch ist ein Schutz durch Selen sehr fraglich, da Fische, die die Minamatakrankheit hervorriefen neben hohen Hg-Werten auch viel Selen enthielten. [32], [33]. 

> 50 mcg/L Hg im Urin erzeugt in jedem Fall neurasthenische Symptome 

Symptome

Allgemeines: 
Die chronischen Vergiftungssymptome beginnen schleichend. Frühsymptome sind Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme, Mattigkeit, Kopfdruck, Gliederschmerzen, Neigung zu Durchfällen und vermehrter Speichelfluss. 

Die unspezifischen Allgemeinsymptome können wochen-, monate- oder jahrelang bestehen, bevor weitere Vergiftungserscheinungen hinzukommen.

Frühzeitig, jedoch nur bei massiver Exposition und schlechter Mundhygiene treten auf:

Metallischer Geschmack und brennende Schmerzen im Mund; Entzündung des Zahnfleisches mit geschwollenen blutigen Rändern ; Lockerung der Zähne, Halsschmerzen und trockener Mund oder Speichelfluss sowie eine lackfarbene Rötung des Racheneingangs. 

Erethismus ist eine psychische Veränderung mit Stimmungslabilität, Schreckhaftigkeit, ängstliche Befangenheit, Verlust des Selbstvertrauens, Beeinträchtigung der Merkfähigkeit, Depression und Menschenscheu gepaart mit Reizbarkeit, Aggressivität, Verlust der Selbstkontrolle und Neigung zu Wut- und Tobsuchtsanfällen bei geringsten Anlässen. In schweren Fällen auch Delirien und Halluzinationen. 

Besonders stark betroffen sind nervöse Menschen, die auf Nervengifte besonders stark reagieren und Menschen mit Neigung zu vasoaktiven (gefäßsensiblen) Kopfschmerzen.

DerQuecksilbertremor ist ein feinschlägiger Intentionstremor, wird also durch beabsichtigte Bewegungen verstärkt. In den Anfangsstadien lediglich feinschlägiges Zittern der Finger, der geschlossenen Augenlieder und der herausgestreckten Zunge. Er verläuft wellenförmig, steigert sich bei Aufregung und ebbt nach ein bis zweieinhalb Minuten wieder ab. Bei ausgeprägteren Formen wird das Zittern jeweils nach einigen Minuten durch ausfahrende Schüttelbewegungen unterbrochen.
 

Auffällig ist die Zitterschrift der Quecksilberkranken. Die Sprache ist stotternd und verwaschen. 

Die voll entwickelte Form der chronischen Hg-Vergiftung tritt heute kaum noch auf. Häufiger wird ein asthenisch-vegetatives Syndrom beobachtet mit 


 

Hypertonie
Dermographismus ("Hautschrift", Erscheinen weißer oder roter Streifen oder Striemen auf der Haut nach Bestreichen mit einem harten Gegenstand)
Gingivitis (Zahnfleischentzündung)
Schilddrüsenvergrößerung
Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut)
Muskelschwäche Verminderung der T-Lymphozyten-Zahl im Blut

 

M. Daunderer: "Der Hg-Vergiftete wird ängstlich und menschenscheu, er imponiert Laien als psychosomatisch krank, er begibt sich nicht spontan in ärztliche Behandlung, wenn er nicht von außen auf die Behandlungsmöglichkeiten hingewiesen wurde. Dies unterstreicht die Heimtücke dieser Vergiftung." 

Zusammengefasste Symptomatik der chronischen Quecksilbervergiftung (Leitsymptome Großbuchstaben): 

Allergie, Metallgeschmack
Allgemeine Schwäche Mund-, Rachen-, Magenschmerzen
Asthma, Mundschleimhaut kupferfarben
Aussprache verwaschen, Mundzuckungen
Aufbrausen, Nasennebenhöhlenentzündung, 
Bauchschmerzen, Nervosität
Blutarmut, hypochrome Nierenschäden
Blauvioletter Saum an den Zahnhälsen, Psychose
Bronchitis, Schildrüsenüberfunktion
Depression, Schlaflosigkeit
Durchfälle (Colitis=Dickdarmentzündung), hartnäckiger Schnupfen, 
Empfindungsstörungen, SCHWINDEL
ENERGIELOSIGKEIT, Schreckhaftigkeit
Epilepsie, Schüchternheit
Ermüdung, Sehstörungen
Frösteln, Speichelfluss
Gehetztes Tempo, stammelnd Sprechen, 
Gelenkschmerzen, Stimmungslabilität
Gewichtverlust,
(Hyperventilationstetanie), neuromuskuläre Erregbarkeit
Haarausfall,, Trigeminusneuralgie
Hautekzem, Unentschlossenheit
Herzrythmusstörungen, Wahnvorstellungen
Infektanfälligkeit, Zahnfleischentzündungen
Kopfschmerzen (Migräne), Zittern, Leberschäden,
Lungenentzündung 
Menschenscheu 
Merkfähigkeit reduziert, Zitterschrift

Symptomatik der einzelnen Metalle im Amalgam:

 

Die Metalle im Amalgam potenzieren sich gegenseitig in ihrer Wirkung (Synergismus). Im einzelnen werden ihnen klinisch folgende Symptome zugeordnet: 

Quecksilber: Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen, Magen-Darmbeschwerden, Schwindel, Zittern, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Muskelschwäche, Rückenschmerzen, Allergie, Nervosität, Apathie wechselnd mit Gereiztheit, Depression, Ataxie, Lähmungen, Pelzigkeitsgefühle, Hör- und Sehstörungen, Infektanfälligkeit, Herzrhythmusstörungen, Anämie 

Zinn: zunehmende Schwäche, Antriebslosigkeit, Neuralgien, Schmerzempfindlichkeit, Lähmungen, auf- und abschwellende Schmerzen im Magen- und Darmbereich, Kopfschmerzen, Heiserkeit, Husten, Kälte und Wetterempfindlichkeit, Blässe 

Silber: Angst, Vergesslichkeit, Denkstörungen, Gehirnerweichung, Kopfschmerzen, Schwindel, Mühe sich zu belasten, geistige Schwäche, Muskel-, Bänder- und Gelenkschwäche, Knorpelzunahme, Rückenschmerzen, Rheumatismus
Kupfer: klon. Krämpfe, Koliken, Sehstörungen, Atembeschwerden, Pelzigkeitsgefühle, Parästhesien, starkes Zittern, Schwäche, Analkrampf, Verstopfung, Zähneknirschen, Allergie, Leberschädigung 

Allergien auf Metalle: 

 

Allergien auf sog. Zahnmetalle sind in den seltensten Fällen Sofort-Typ-Allergien wie z.B. die Pollen-Allergien. Sog. alternative Verfahren wie die EAV sind völlig ungeeignet, um eine Amalgam- oder Metallallergie nachzuweisen oder auszuschließen. Meist liegen zellvermittelte Allergie-Typen vor, die nur mit aufwendigen Labor-Tests (LTT) nachzuweisen sind. Dennoch sollte auch die Serum-Untersuchung (RAST) nicht vergessen werden. Mit Eiweißen reagieren die Hg-Verbindungen als Haptene zu Vollantigenen, so dass hieraus Sensibilisierungen durch die Induktion von Antikörpern entstehen können. 
 

Mögliche allergische Reaktionen sind:


Ekzeme im Gesicht oder an den Beugeflächen der Extremitäten
Urtikaria (Nesselsucht)
Mundtrockenheit
Unwohlsein
geschwollene Lippen
erhöhte Temperatur
Glossitis (Zungenentzündung)
Gingivitis (Zahnfleischentzündung)

Eine mögliche Alternative zu Amalgamen scheint auch bei Allergikern nur hochwertiges Goldmaterial (>22 Karat) zu sein. Allerdings soll auch hier die Häufigkeit der Allergien bei    16 % liegen. 

Spätfolgen: 

 

männliche und weibliche Unfruchtbarkeit
kindliche Missbildungen, 


Ein Zusammenhang zwischen der Resorption von Amalgamen und der Erstmanifestation der Multiplen Sklerose (MS) wird seit langem diskutiert. Zumindest besteht die theoretische Möglichkeit, dass Hg zur Zerstörung der Myelinscheiben führen kann. Erfahrungen von Ärzten mit ihren Patienten zeigen, dass sich an MS Erkrankte nach der Entfernung des Amalgams und nach einer DMPS-Therapie besser fühlen.

 Grenzwerte: Hg in Nahrungsmitteln

USA 0,05 ppm
BRD 0,10 ppm

Trinkwasser: WHO-Wert (1975): 1 mcg/L

MAK-Wert: 0,10 mg/kg (0,01 ppm)
Hg-Dampf: 0,05 mg/cbm

Geruchsschwelle: 13 mg/cbm

 

Differentialdiagnose: Ohne DMPS-Mobilisationstest außerordentlich schwierig. Die Anfangssymptome sind uncharakteristisch und gleichen denen einer Neurasthenie durch andere Gifte wie z.B. Holzgifte. 

Die für die Quecksilbervergiftung charakteristische Salivation (Speichelfluss) kann vollständig fehlen. 

Beim asthenisch-vegetativen Syndrom gilt die Apathie und emotionale Labilität als typisch für Hg. 

Der Erethismus mercuralis (s.o. ) ist abzugrenzen gegen Hysterie und Neurasthenie. 

Der Hg-Tremor ist anfänglich nicht zu unterscheiden vom Zittern der alten Menschen, der Alkoholiker, und der Basedowkranken. In allen Fällen geht das Zittern aber nicht auf den gesamten Körper über. 

Eine MS ist schwer abgrenzbar. 

Amalgamträger sind eher sensibilisiert auf andere Umweltgifte und daher besonders empfindlich. Die anderen Metalle des Amalgams (Zink, Kupfer) potenzieren sich in ihrer Wirkung.

 

Laboruntersuchungen

Am häufigsten wird zur Bestätigung des Verdachtes auf eine chronische Quecksilberbelastung eine atomabsorptionsspektroskopische oder Atomfluoreszenz-Untersuchung des Hg-Gehaltes einer Urin- oder Blutprobe durchgeführt.
Die untersuchte Urinprobe sollte möglichst ein 24-h-Sammelurin sein oder dem ersten Morgenurin entstammen. Gleichzeitig ist im zweiten Fall (Morgenurin) der Kreatiningehalt zu bestimmen und das Ergebnis darauf zu beziehen. Bei Blutproben kann es sich um Serum oder um Heparin-Blut handeln. Bei Heparinblut ist sicherzustellen, dass das verwendete Abnahmesystem keine erhöhten Blindwerte liefert !

 

Wegen der oben beschriebenen Depotbildung des Hg ist es sinnvoller, diese Untersuchungen nach einer hohen körperlichen Belastung oder aber nach oder während einer Fasten- oder Hungerphase durchzuführen.
 

Um die Herkunft des ggf. gefundenen erhöhten Hg-Spiegels aus dem Zahnamalgam wahrscheinlich zu machen und andere Quellen (Fischverzehr, zerbrochene Fieberthermometer) weitgehend auszuschließen, ist es auch sinnvoll, neben dem Hg die Elemente Sn, Cu und Ag zu bestimmen. Bei erhöhten Werten sollte sich aus den oben geschilderten Gründen eine Bestimmung von Zn und Se anschließen.
Eine Messung der Enzyme SOD  sowie des totalen Antioxidantienstatus (TAS) im Serum kann den Einfluss sowohl der schädlichen wie der nützlichen Komponenten dieses Stoffwechselbereichs im Saldo aufzeigen. Ggf. ist auch an eine Lymphozytendifferenzierung zu denken.


Differenziertere Aussagen lassen sich nach einer Mobilisation der Depots mit DMPS oder DMSA machen, die unten beschrieben wird. 

 

Die Qualität der Amalgam-Plomben wird am ehesten nach Durchführung eines Kaugummi-Tests zu beurteilen sein.

Kaugummitest

Anwendung:


Erkennung einer erhöhten Konzentration von Quecksilber (Kupfer, Zinn, Silber) im Speichel nach intensivem Kauen. Korrekt gelegte und unbedenkliche Füllungen dürfen keine bedenklichen Mengen an Hg freisetzen. Zunächst wird eine Spontanspeichel-Probe in der Praxis abgefüllt. Nach 5 minütigem Kauen eines handelsüblichen Kaugummistreifens, wobei der Speichel nicht geschluckt werden soll, wird erneut eine Speichelprobe abgefüllt. In beiden Proben wird Hg sowie möglichst auch Cu, Sn und Ag bestimmt. Zur Beurteilung wird sowohl der Basalwert, wie auch der Anstieg herangezogen.

 

Der Test dient auch zur Abklärung, ob eine Antidotbehandlung mit DMPS oder DMSA (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) erforderlich ist. 

Durchführung:

1. ca. 5 ml Speichel in Gefäß I sammeln ; Gefäß eindeutig kennzeichnen !
2. Intensiv 5 Minuten lang zuckerfreien Kaugummi-Streifen kauen. Von Anfang an den Speichel nicht schlucken. 5 ml Speichel in Gefäß II sammeln. Gefäß eindeutig kennzeichnen ! 

Auswertung:

Der Test hat hinsichtlich der realen Kausituation nur bedingte Aussagekraft. z.B. werden durch saure Speisen mehr Schwermetalle herausgelöst, metallisches Quecksilber dampft ab, die Kauintensität ist sehr verschieden, usw. 
Da man aber fordern muss, dass die Aufnahme von Hg durch den Mund nicht ein Vielfaches der Grenzwerte für Trinkwasser betragen darf, sollte bei deutlicher Erhöhung der Speichelwerte minderwertiges Füllungsmaterial ausgetauscht werden. 

Vorgehen:

Austausch der Füllungen erfolgt, wenn die Differenz von I auf II im Speichel beträchtlich ist, d.h. über 5 mcg/l beträgt oder der Basalwert bereits 5 g/l überschreitet. Die Entfernung der Füllungen muss sorgfältig geschehen, wenn Vergiftungsbeschwerden bestehen. Bei nachgewiesener Vergiftung sollte nicht sofort im Anschluss an die Entfernung ein anderes Metall eingebracht werden, sondern es sollten zumindest provisorisch metallfreie Füllungen eingebracht werden. 

Finanzielle Konsequenzen:

Bei nachgewiesener Vergiftung zahlen derzeit alle Krankenkassen den Austausch in lichtgehärtete Kunststoffe, die erforderliche Antidotbehandlung und die Nachweise. Metallfreie Versorgungen aus Keramik oder Zirkonium  sind heute technisch möglich.

DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat)-Test

Der sog. Mobilisationstest beruht auf einer einmaligen, langsamen intravenösen Injektion von 3-4 mg/kg KG DMPS (2,3-Dimercapto-propyl-1-sulfonat, Dimaval ). Messungen im Spontanurin rund 30 Minuten vor (Urin 1) und nach (Urin 2) der DMPS-Injektion lassen Feststellungen zu, in welchem Ausmaß Quecksilber im Organismus mobilisiert worden ist. Aus diesem Befund und mehrerer zusätzlicher anderer Kriterien (u.a. Zink und Kupfergehalt im Urin, siehe Daunderer 1989) lassen sich Rückschlüsse auf das Vorliegen einer amalgambedingten Quecksilbervergiftung ziehen 

Oral wird DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) unsicher resorbiert , daher muss der Test nüchtern durchgeführt werden. Da nur ca. 30% resorbiert werden, ist die benötigte Menge 10 mg/kg KG. Die Ausscheidung wird hier über Urinproben 30, 60 und 120 min nach Einnahme des Präparates oder über den Stuhl gemessen. 

Nach Empfehlung M. Daunderers sollte jeder Arzt bei hohen Kaugummiergebnissen oder erheblichen neurologischen oder immunologischen Symptomen eine DMPS-Behandlung selbst durchführen. Eine Wiederholung der Einnahme wird empfohlen 

bei Werten > 50 mcg Hg/l bzw. mcg Hg/g Kreatinin vierteljährlich 

bei Werten > 100 mcg Hg/l bzw. mcg Hg/g Kreatinin vierwöchentlich 

bei Werten > 1000 mcg Hg/l bzw. mcg Hg/g Kreatinin wöchentlich eine Kapsel nüchtern einnehmen. 

Komplikationen:

Evt. können Allergien auftreten (bei 1 %). Sehr selten und nur bei vegetativ sehr empfindlichen Patienten tritt ein Kollaps infolge Blutdruckabfalls auf. Nicht allergische Patienten fühlen sich nach der Injektion sofort wesentlich besser. Die Allergiequote steigt erheblich ab der 3. Remobilisation mit DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat). 

DMSA (Dimercaptosuccinic acid, Dimercaptobernsteinsäure)

Wird häufiig als Alternative benutzt und wurde mit Erfolg als vollwertiger Ersatz des verschreibungspflichtigen DMPS erprobt. Dosierung: 10 mg/kg KG oral alle 3 - 12 Wochen. 

1.3.2.3 Nebenwirkungen von DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat):

Durch die Gabe von DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) werden nicht nur die schädlichen Schwermetalle ausgeschieden, sondern auch essentielle Spurenelemente, vor allem Zink, Eisen und Kupfer. Schwermetalle werden in bevorzugt in folgender, absteigender Reihenfolge ausgeschieden: 

Zn - Sn - Cu - As - Hg - Pb - Fe - Cd - Ni -Cr
(Zink-Zinn-Kupfer-Arsen-Quecksilber-Blei-Eisen-Cadmium-Nickel-Chrom)

Der Grund für diese Ausscheidungsreihenfolge liegt in den unterschiedlichen Komplexbildungskonstanten der chemischen Gleichgewichte zwischen Komplexbildner und Schwermetall.
DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) beeinflusst die Hg-Konzentration im Gehirn über eine leichte Konzentrationsminderung . Falls die Kupferdepots sehr groß sind, werden die anderen Metalle nicht verstärkt ausgeschieden, d.h. sie werden erst nach dem Abbau der Kupferdepots angegangen. Die Höhe des mobilisierten Kupfers korreliert oft mit dem Mangel an Zink. Zink bewirkt eine relative Entgiftung der anderen Schwermetalle

 Spurenelemente Zink und Selen.

Zinkbedarf:

Kinder: 10 mg/Tag
Erwachsene: 15-25 mg/Tag 

Zink ist Bestandteil (Enzym-Cofaktor) des Enzyms Superoxiddismutase, das einen Schutz vor den oxidativen Wirkungen des Amalgams bietet. Auch eine Selensubstitution kann das extrazellulär vorhandene Quecksilber binden helfen - nicht jedoch das Depotquecksilber.

Selenbedarf:

Erwachsene: 50-200 mcg/Tag (Laborkontrolle ! s.o.) 

Die Wirkung der Komplexbildner besteht nur extrazellulär (d.h. sie dringen nicht in das Gehirn ein), die Entgiftung erfolgt nach dem Prinzip der Diffusion, indem ein Konzentrationsgradient nach Entgiftung des übrigen Körpers entsteht. Dadurch kann mobilisiertes Hg aus dem Gehirn entweichen.

"Wenn nach der Gabe von DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) (3 mg/kg KG i.v.) der Wert im Urin auf 50 mcg/l ansteigt ist dies ein Hinweis für die Anreicherung in Organen wie dem Gehirn. Die Elimination muss fraktioniert - z.B. alle vier Wochen - erfolgen. 

Eine Entgiftungs-Therapie kann auch noch viele Jahre nach Entfernen des Amalgams nötig sein." 

Therapieformen zur Behandlung von Quecksilberbelastungen


Erster Therapieschritt: Entfernen der Amalgamfüllungen

Erster Therapieschritt ist das Entfernen vorhandener Amalgamfüllungen. Vor Behandlungsbeginn sollte sich der Zahnarzt davon überzeugen, dass keine noch nicht völlig epithelisierten Wunden im Mund des Patienten vorhanden sind. Andernfalls könnten Amalgampartikel in die Tiefe der Wunde gelangen. 

Das Ausbohren sollte ohne Turbine (am besten mit Hartmetallbohrer bei 6000 bis 12000 U/min),mit Sauerstoffinsufflation und Absaugung erfolgen.

Auch die angrenzende Dentinschicht enthält infolge von Eiweißverbindungen mit Komponenten des Quecksilberamalgams Spuren dieses Füllungsmaterials und ist deshalb auszufräsen.

Grau durchsetzte Zähne sind ganz zu ziehen!. 

Der Zahnarzt und seine Assistenz tragen Mundschutz, um die Aufnahme von Quecksilberdämpfen zu mindern. Darüber hinaus sollte für eine gute Lüftung im Bereich des Behandlungsstuhls gesorgt werden.
Das reichliche Trinken von Milch vor bzw. nach der Behandlung kann der Absorption von evtl. verschlucktem Amalgam entgegenwirken .. 

Je nach Ausmaß der Schädigungen durch das Amalgam ist ein äußerst schonendes Vorgehen beim Entfernen der Amalgamfüllungen zu empfehlen. De Beaulieu (1978) empfiehlt binnen 4-6 Wochen nicht mehr als 1 oder 2 Füllungen zu entfernen. Thomsen (1985) hält ein zügiges, quadrantenweises Entfernen pro Sitzung für möglich!. 

Das Entfernen der Amalgamfüllungen führt manchmal spontan zum Verschwinden der Symptome (Buchheit 1989, Tölg 1988, Burk 1988, Schulz 1982, Raue 1980). Möglicherweise sind elektrische Vorgänge in der Mundhöhle zwischen Amalgam und Amalgam oder zwischen Amalgam und anderen Metallmischungen als Ursache der Beschwerden anzusehen.

Besonders chronisch Kranke können aufgrund ihrer reduzierten Abwehrlage die durch Amalgame entstandenen Schäden nicht aus eigener Kraft überwinden. Hier ist eine Nachbehandlung dringend angeraten, um die in den Organismus eingeschleusten Schwermetalle zu entfernen und geschädigte Organe oder Gewebe wieder zu aktivieren (Kramer 1984). 

Eine Amalgam-Eliminierungstherapie ist keinesfalls optimal, wenn alle zur Verfügung stehenden Mittel, die zur Auswahl stehen, zur Anwendung kommen. Vielmehr muss der individuelle Zustand des Patienten berücksichtigt werden. Beispielsweise wird bei einem Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung die Amalgamausscheidung über die Niere beeinträchtigt sein, weshalb ein normaler Quecksilberwert im Urin nicht als Gegenbeweis für das Vorliegen einer Amalgambelastung gelten kann (vgl. auch Kramer 1984; Hanson 1983; Ohnesorg 1988, S 24). Hier bedarf es also einer Stärkung der Nierenfunktion durch eine gezielte Therapie. 

 

Bei Vorliegen einer Dickdarmschleimhautschädigung kommt es zu einer verzögerten und unregelmäßigen Darmentleerung, was ebenfalls einer Störung der Entgiftungsfunktion gleichkommt. Es bedarf einer therapeutischen Behandlung der Darmtätigkeit. 
Ähnliches lässt sich in Bezug auf Schädigungen der Leber, der Bauchspeicheldrüse, des Lymphsystems, usw. sagen. Die Praxis der Entgiftungstherapie bedarf eines sorgfältig auf den Zustand des Patienten abgestimmten Therapiekonzeptes. 

Zweiter Therapieschritt: Amalgam-Eliminierungstherapie

Die Möglichkeiten der Amalgam-Eliminierungstherapie sind vielfältig und sollten auf den individuellen Zustand des Patienten zugeschnitten sein (s.o.). Es liegen Erfolgsmeldungen völlig unterschiedlicher Behandlungsrichtungen vor, die hier vorgestellt werden sollen: 

Alternative Physikalische Methoden

Bioresonanztherapie, Elektroakupunktur:

Therapieverfahren, das 1977 von dem deutschen Arzt Dr. Franz Morell begründet und von C. Smith und anderen Londoner Ärzten an der Salford-Universität in England weiterentwickelt worden ist. 

 

Danach besitzt jeder Mensch ein individuelles Schwingungsspektrum, welches zu therapeutisch wirksamen Anregungen genutzt werden kann. Nach Smith et al. wirken Noxen (Viren, Bakterien, Schwermetallen, etc.) nicht nur materiell, sondern auch energetisch im Körper, indem sie spezielle Schwingungen abstrahlen. Biochemische Vorgänge im Körper unterlägen einer übergeordneten energetischen Steuerung, die Wachstum, Stoffwechselvorgänge, Hormonregulation, etc. regeln soll. Durch Störungen dieser subtilen Steuerungsprozesse durch z.B. schadstoffbedingte Fehlsteuerungen sollen Fehlfunktionen und damit Krankheiten auftreten. 
Die Idee der Bioresonanztherapie ist nun, die Störschwingungen zu löschen oder zumindest so zu schwächen, dass der kranke Organismus in seinem Regenerationsbestreben nicht mehr behindert wird. 

Anwendungsvorgang:
Das entsprechende Gerät nimmt die körpereigene Schwingungen über ein Kabel und geeignete Elektroden auf. Das BICOM-Gerät z.B. trennt durch einen biologischen Filter physiologische von krankhaften Schwingungen und verstärkt die gesunden bzw. schwächt die krankhaften Schwingungen.
Schädliche Nebenwirkungen sind bei dieser Therapieform nicht bekannt.

Wissenschaftlicher Hintergrund:
1975 beanspruchte der Physiker F.A. Popp den Nachweis sog. "Biophotonen", wobei es sich um emittierte Lichtquanten eines definierten Spektrums handelt, dass offenbar ohne Beteiligung von weiteren Molekülen in der Lage ist, Effekte in der DNA auszulösen. Die DNA ist offenbar ein Biophotonenspeicher, der die Vermehrung von Zellen nicht nur über Moleküle steuert, sondern auch über induzierte Strahlung, die z.B. in der Lage ist, durch bloße Anwesenheit von Licht Viren zur Vermehrung zu veranlassen, ohne dass zur Übertragung dieser Information DNA-abhängige Moleküle oder überhaupt "Materie" in das infizierte Material gelangen. 
Andere Untersuchungen z.B. von W. Ludwig versuchen die Wirkung von Arzneimitteln der Homöopathie durch Einwirkung von Schwingungsmustern zu zeigen. C.W. Smith, R.S.V. Choyund J.A. Monro wollen mittels Provokations-Neutralisationstests nachgewiesen haben, dass allergische Reaktionen mit Hilfe elektromagnetischer Schwingungen bestimmter Frequenz beeinflusst werden können. 

In dieselbe Richtung geht die Elektroakupunktur nach Voll (EAV). Sie prüft die Wirkung homöopathischer Wirkstoffe durch Messung extrem sensibler elektrischer Ströme und ermöglicht die Ermittlung der optimalen Potenzierungsform des homöopathischen Mittels bzw. die mögliche gegenseitige Beeinflussung mehrerer eingesetzter Wirkstoffe.
Die Therapieform der Homöopathie unter Anwendung der EAV zur Verbesserung der Diagnose und Therapieermittlung ist seit vielen Jahren Fortbildungsthema beispielsweise der "Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe".

Ferner bekannt sind Methoden der "Bioelektronischen Funktions- und Regulationsdiagnostik (BFD)", z. B. die Decoder-Dermographie oder das elektrische Herdsuchverfahren, die speziell in der Zahnmedizin angewendet werden.

Es gibt natürlich weitere Physikalische Diagnose- oder Heilmethoden, die hier aber nicht einzeln aufgeführt werden sollen, weil eine empirisch begründete Bewertung kaum möglich sein dürfte.

Homöopathie


Es handelt sich dabei um eine wissenschaftlich umstrittene Heilmethode, die im Gegensatz zur Schulmedizin ("Allopathie") steht. Sie heilt mit Giften in minimaler Dosierung bis zu Verdünnungen eines Wirkstoffs zu sog. Hochpotenzen, die gar keine Moleküle des Wirkstoffs mehr enthalten. Homöopathie ist eine naturwissenschaftlich nicht erklärbare medizinische Heilmethode, die trotz fehlender, anerkannter wissenschaftlicher Begründbarkeit praktisch hervorragende Erfolge erzielt. Jeder gewissenhaft und erfahrungsgemäß handelnde Homöopath kann über zahlreiche Fälle von Heilungen berichten, die mit den Methoden der herkömmlichen Medizin , u.a. auch mit Laboruntersuchungen in unserem Labor belegt werden können. 

Es muss jedoch einschränkend gesagt werden, das nicht jeder Patient für eine Homöopathie-Therapie geeignet ist. Schwere Erkrankungen, die eine Zerstörung der natürlichen Abwehrfunktionen des menschlichen Körpers zur Folge haben, bewirken, dass der Heilerfolg ausbleiben kann. Grund für das Scheitern einer homöopathische Therapie kann aber auch möglicherweise ein Übermaß an extern wirkenden Umwelteinflüssen sein, die in der Lage sind, die sehr subtilen Vorgänge bei der Wirkung der Homöopathika zu stören. Bspweise starke elektromagnetische Felder (Stichwort: ---> Elektrosmog), aber auch eine Palette von Umweltgiften (z. B. Dioxine, Schwermetalle, Pestizide, usw.). Am stärksten dürfte aber die wahrscheinlich synergistische Wirkung vieler Gifte oder Strahlungen bei gleichzeitiger Exposition sein. In solchen Fällen kommt es häufig vor, dass eine homöopathische Therapie nicht anschlägt.

Chemische Methoden:

Chelatbildner (Komplexbildner):


Chelate sind Komplexverbindungen von Metallatomen mit Liganden, die an ein und demselben Molekül mehrere Koordinationsstellen besitzen. Durch die Mehrfachbindung des oder der Liganden an das Zentralatom (Metall) wird eine erhöhte Stabilität der Verbindung erzielt. Die speziellen Bindungs-Eigenschaften und Variabilitäten der Chelate ermöglichen ihren Einsatz als "Schwermetallfänger". Ein spezielles Chelat besitzt jedem Schwermetall-Element (Hg, Sn, Zn, Se, Cu, Ni, Pb, Cd, Cr, usw.) gegenüber eine spezielle Affinität, so daß es bei Anwendung eines Chelatbilner im menschlichen Körper zu einer Art von "Fällungsreihe" mit den Schwermetallen kommt. Dieser Effekt bewirkt im Organismus aber nicht nur die gewünschte Eliminierung der toxischen Schwermetalle, sondern auch der lebensnotwendigen essentiellen Spurenelemente (insbesondere Selen und Zink; siehe 1.2.3.2 Spurenelemente Zink und Selen).

 

Z.B. werden mit DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) Schwermetalle bevorzugt in folgender, absteigender Reihenfolge ausgeschieden: 

Zn - Sn - Cu - As - Hg - Pb - Fe - Cd - Ni -Cr
(Zink-Zinn-Kupfer-Arsen-Quecksilber-Blei-Eisen-Cadmium-Nickel-Chrom)

Vor der Eliminierung von Quecksilber durch den Komplexbildner kommt es also zur bevorzugten Eliminierung des wichtigen Spurenelementes Zink.

Für eine Amalgam-Eliminierungstherapie bedeutet das, dass Komplexbildner zwar außerordentlich wirksam zur Schwermetallentgiftung sind, aber (vor allem bei häufiger Anwendung) selbst ein toxisches Potential beinhalten und daher für eine langfristige Amalgam-Eliminierungstherapie nicht empfohlen werden können !

Bei einer akuten, bzw. hochgradigen toxischen Belastung durch Schwermetalle, wie z.B. Quecksilber kann eine Antidot-Behandlung mit Chelatbildnern (DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat), DMSA (Dimercaptobernsteinsäure, engl.: "Dimercaptosuccinicacid") aber angeraten sein, weil hier die lebensrettende und lebenserhaltende Maßnahme ganz im Vordergrund der Behandlung steht. In diesen Fällen haben die toxischen Nebenwirkungen der Chelatbildner ein geringeres Gewicht als bei der Therapie von chronischen Belastungen durch Amalgam. 

Wie bereits erwähnt, ist im Rahmen einer Therapie mit DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) die Frage zu stellen, inwieweit das Risiko einer Ausschwemmung auch körpereigener Spurenelemente zu befürworten ist. Der Stoffwechsel von DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) ist aus analytischen Gründen derzeit nicht ganz durchschaubar (Forth 1987). 
Eine Umverteilung des Quecksilbers durch DMPS (2,3-Dimercaptopropyl-1-sulfonat) bis hin zum Gehirn wird in der Literatur diskutiert (Arzneimittelkommission-Zahnärzte 1989).Ohnesorge (1988, s. 190) sieht u.a. wegen einer Gefahr der Nierenschädigung die DMPS-Therapie nur nach einer sorgfältigen Kosten-Nutzen-Abwägung als gerechtfertigt an. 

Schwefeltherapie

Oral aufgenommene Schwefelpräparate können in das natürliche Darmgas Schwefelwasserstoff umgewandelt werden. Dadurch werden mehr schwerlösliche Sulfide gebildet, die nicht mehr rückresorbiert, sondern ausgeschieden werden, so dass es zu einer vermehrten Ausscheidung von Schwermetallen und zum Abbau vorhandener Depots kommt. 

Orthomolekularmedizin:

Supplementierung mit Antioxidantien:


Das Prinzip der toxischen Wirkung von Schwermetallen beruht auf der Blockierung der SH-(Sulfhydryl-) bzw. Thio-Gruppe von wichtigen Enzymsystemen. Quecksilber vermag insbesondere körpereigene metallische Co-Enzyme aus ihren Verbindungen zu verdrängen. 

Ferner regt Quecksilber den Peroxidstoffwechsel an und verursacht dadurch Ansammlung von Wasserstoffperoxid und organischen Peroxiden in den Zellen. Bei deren Zerfall entstehen die außerordentlich reaktiven Hydroxylradikale, die praktisch alle Zellbestandteile zerstören, indem sie den entsprechenden Verbindungen Wasserstoff entziehen. 

Freie Radikale sind kurzlebige Zwischenverbindungen bei Oxidationsprozessen. Sie besitzen als Charakteristikum ein freies ungepaartes (ungebundenes) Elektron, was sie extrem verbindungsbegierig, d.h. aggressiv macht. Wenn sie im Zellkern gebildet werden, greifen sie die DNA an und können kanzerogen wirken. Da die Summe der durch freie Sauerstoff-Radikale induzierten Läsionen des Cytoplasmas und der Zellkerne quasi den Alterungsprozess darstellt, kann man sagen, daß freie Radikale für denselben verantwortlich sind, weil immer mehr irreparable Schäden an wichtigen Biomolekülen und Zellstrukturen entstehen.
Gleichzeitig besitzt der Körper bestimmte, sehr wirkungsvolle Enzyme, die in der Lage sind, freie Radikale abzufangen. Als Therapieform zur Beseitigung von Amalgamschäden bietet sich daher die Supplementierung mit Antioxidantien an, die mittlerweile in Form verschieden zusammengestellter Präparate auf dem Markt sind und die Vitamine, Enzyme, Aminosäuren und Spurenelemente in sinnvoller Kombination enthalten. 

Der Mensch erleidet täglich ca. 10 h(17) bis 10 h(18) oxidative DNA-Schäden, ohne daß erhöhter oxidativer Stress, Krankheiten, oder Intoxikationen vorliegen. Im Alter von ca. 70 Jahren werden im Chromosomensatz einer sich nicht teilenden Nervenzelle über 300 Mio. Nukleotide von oxidativen, radikalischen Zersetzungsreaktion erfasst. Mit zunehmendem Alter werden die radikalischen Angriffe immer stärker, bis der Körper diesen Angriffen nicht mehr gewachsen ist. Die Folgen können chronische Krankheiten, Krebs und letztendlich Tod sein. 

 

Seit langem ist bekannt, dass Mikronährstoffe Mangelkrankheiten verhüten können. Eine besondere Klasse dieser Nährstoffe sind die Antioxidantien, die unterschiedliche Wirkstofftypen darstellen, wie z.B. Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme oder Aminosäuren. Diese Antioxidantien fungieren als eine Art Blitzableiter für Radikale. Dabei sind einige Wirkungsmechanismen verschiedener Radikalfänger noch ungeklärt. Gerade degenerative Prozesse mit langen Entwicklungszeiten wie z. B. Krebs, Rheuma, Arteriosklerose (AS), aber auch der Alterungsprozess selbst, werden durch eine Therapie mit diesen Wirkstoffen effektiv behandelt. Auch bei höheren Dosierungen wirken viele von ihnen nicht toxisch. Dennoch sollte selbstverständlich eine sinnvolle Dosierung erwogen werden, damit Effekte wie z.B. Hypervitaminosen vermieden werden.

 

 

 

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